Was ist Hiken?

Wochenende! Sonnenschein! Fernsehen! Nein, fernsehen natürlich nicht. Aber letzten Samstag war so gutes Wetter, dass man unbedingt was draußen unternehmen wollte. Stefan ging schon früh morgens (naja, so gegen halb 11) und ich wollte eigentlich in die Berge fahren, da mir das von einem Kollegen empfohlen wurde. Die anderen wollten aber lieber in den Outlet zum Klamotten einkaufen.
Beim gemütlichen Frühstück mit Ravioli und Baguette hat dann das Telefon geklingelt und Armin war dran. Armin ist unser Praktikantenbetreuer. Er wollte mit Stefan Radfahren gehen, aber als ich ihm gesagt habe, dass der schon lange weg ist war er etwas enttäuscht. Er wollte dann wissen was ich noch so vor habe und war von meiner Idee in die Berge zu fahren voll begeistert und wollte mich zum Hiken mitnehmen. Weil ich nicht wusste, was Hiken war bin ich einfach mitgegangen. Unterwegs im Auto hat er mir dann erzählt, dass Hiken das englische Wort für Wandern ist. Toll.
Also sind wir irgendwann bei einem Hügel angekommen, der in einem der vielen Naturparks liegt, in die man Eintritt bezahlen muss. Eigentlich kostet das pro Person, aber wir haben nur einmal fürs Auto bezahlt, da die gutgläubigen Amis keinen Kassenwart sondern nur einen Geldeinwurf an den Parkeingang gestellt haben. Wir haben uns dann eine Route mit 3.3 Meilen ausgesucht, die mit 2-3 Stunden angegeben war. Wir sind munter drauf los marschiert und waren nach ca. 1 Stunde am Ziel. Der Wer führte mitten durch den Wald über Bäche und Bäume. Das Tempo kann sich jeder selber vorstellen, wenn wir nicht mal die Hälfte der Zeit für das Stück gebraucht hatten. Also beschlossen wir dann noch einfach weiter zu gehen und sind dann irgendwann eine halbe Stunde später auf einem großen Felsplateau angekommen, von dem man eine tolle Aussicht über Amerika hatte. Dort oben war es Gesäßkalt und ich hatte natürlich nur ein T-Shirt an weil es unten ja die üblichen 22 Grad hatte. Total durchgeschwitzt stand ich also auf 3000′ Höhe und habe nach unten geschaut, von wo wir gekommen sind. Wenigstens hatte Armin an die Aufwärmung gedacht und 2 Bacardi Silver aus der Tasche gezogen, die wir dann in aller Ruhe genossen haben. Als die Sonne weg war sind wir dann wieder zum Abstieg aufgebrochen. Dieser ging überraschend schnell, da wir ein entsprechendes Tempo bergab angelegt hatten. Wären wir lieber in diesem Tempo auch nach oben gekommen….
Angetrieben durch unser Gewicht und den inzwischen in die Blutbahn gelangten Bacardi sausten wir wieder über Stock und Stein diesmal nach unten. In halsbrecherischen Aktionen haben wir langsamere Hiker überholt und ihnen unsere Rucksäcke von hinten gezeigt. Gegen halb 6 wurde es dann empfindlich dunkel im Wald. Dann haben wir doch tatsächlich so ne Ami Gruppe getroffen, die mit Schlafanzughose und Lederjacke noch bis zum Gipfel laufen wollten. Armin hat ihnen dann aber klar gemacht, dass die das mit der Ausrüstung nicht schaffen werden und die Damen ihre Schlappen nach ein paar Metern verlieren werden. Was aus denen dann geworden ist weiß keiner so richtig, denn wir sind dann weiter Richtung Tal.

Nach dieser Tour sind wir dann entsprechend unten angekommen und die Füße haben ordentlich weh getan. Daheim ging’s dann sofort unter die Dusche und anschließend vor den Fernseher, wo wir uns noch eine DVD angeschaut haben.
Am nächsten Morgen wollten dann Stefan, Marc und Jörg auch in die Berge gehen. Ich weiß nicht welcher Ast mich beim Abstieg getroffen hatte oder ob der Bacardi immer noch im Blut war. Aber in einem Moment der totalen Abstinenz habe ich dann gesagt dass ich nochmals mitgehe. Und tatsächlich bin ich dann Sonntag morgen aufgestanden und mit den anderen die gleiche Strecke nochmals zum Berg gefahren. Wenigstens haben wir dann eine andere Route genommen. Auf der bin ich dann fast gestorben weil mir immer noch der Aufstieg vom Tag davor in den Knochen steckte. Diese Route war auch mit 2-3 Stunden angegeben, die wir dann auch fast gebraucht haben. Diesmal haben wir wenigstens Pausen gemacht und sind ab und zu mal hin gesessen. Trotzdem war ich immer der letzte auf den alle warten mussten.
Mit etwas Verspätung bin dann auch im am Gipfel angekommen und während die anderen schon ihre Wurstbrote ausgepackt hatten habe ich mich erst mal auf den Felsen gelegt um wieder Luft zu bekommen. Was mir da gefehlt hat war eindeutig ein Bacardi. Aber Sonntags gibt es ja in South Carolina keinen Alkohol.
Irgendwann habe ich auch gevespert und dann die obligatorischen Fotos gemacht.
Für Marc war dieser Ausflug wieder mal ein Höhepunkt. Denn was finden wir oben auf dem Gipfel, nachdem wir stundenlang bei Kälte durch den Wald gestampft sind? Einen Fischkopf. Ein Ostfriese. War der doch tatsächlich auch da oben. Der wohnt schon 33 Jahre in USA und spricht aber immer noch als ob er gerade vom Hamburger Fischmarkt kommen würde. Da hat sich Marc gefreut wie ein kleines Kind, dass er mal was anderes sieht als nur Schwaben. Schön für ihn, ich war immer noch mit schnaufen beschäftigt.
Der Abstieg ging dann auch wieder schneller als der Aufstieg (irgendwann finde ich noch raus warum das so ist). Unten angekommen sind wir dann sofort ins Auto und zum nächsten Berg gefahren. Auf den konnte man zum Glück fahren, also sind wir keinen Meter mehr gelaufen als unbedingt nötig. Außer beim Aussichtspunkt. Da wäre doch tatsächlich noch ein Parkplatz näher am Geländer gewesen, aber was macht Marc – nimmt den weiter entfernten. Also wieder kostbare Atemluft durch laufen verschenkt.
Auf dem Rückweg sind wir dann noch bei BiLo vorbei und haben eingekauft. Wir haben uns dann zuhause Schweinegeschnetzeltes mit Spätzle und Salat gemacht. Das Geschnetzelte war ok, die Spätzle müssen wir noch über, aber der Salat – absolut das Highlight des Abends….! Ich habe übrigens den Salat gemacht.
Voll gefressen haben wir uns dann ins Bett gelegt und uns auf den nächsten Morgen gefreut. Nur meine Füße nicht. Wenigstens weiß ich jetzt was Hiken ist.