Notstandsgebiet

Dienstag, 3. Dezember:
Wage Meldungen von einem aufziehenden Unwetter machen in der Firma die Runde. Es heißt, morgen zieht ein Eisregen über Greenville hinweg und soll alles vereisen was so herumsteht. Straßen sollen unbefahrbar werden, Bäume sollen abknicken. Im Internet wurde die Bevölkerung zur vorsorglichen Anschaffung von Kerzen geraten, da mit Strom- und Telefonverlust zu rechnen sei.
Davon haben wir uns nicht beeindrucken lassen.
Mittwoch, 4. Dezember:
Morgens auf dem Weg zur Arbeit. Keine Probleme. Kein Eis, kein Regen, kein Schnee. Schade. Im Radio haben sie von Hamsterkäufen berichtet, Brot und andere Lebensmittel sollen in einigen Supermärkten ausgegangen sein. Wir haben nichts gekauft, warum auch? Nichts los hier. Das Radio berichtete weiter, dass alle Schulen in Greenville geschlossen sind. WARUM? Es regnet nicht mal!

Im Büro waren alle total unruhig und es herrschte schon morgens wieder Aufbruchstimmung. Gegen 11.00 Uhr sind die ersten Mitarbeiter aus den Büros heimgegangen. Um 12.00 Uhr wurde entschieden die Produktion lahm zu legen und die Arbeiter nach Hause zu schicken. Wir saßen immer noch im Büro. Irgendwann ein Anruf von Stefan, warum hier alle heimgehen und wir immer noch sitzen. Obwohl wir uns keine Sorgen wegen Wetter oder sonstigem machten bin ich natürlich zum Personaler im Betrieb gegangen und habe gefragt, was denn mit den Studenten sei? Die hat keiner heimgeschickt. Darauf meinte er:“ That’s a good question“ und hat sich in die Mittagspause verabschiedet. Gegen 13.00 Uhr kam dann die Meldung, alle Studenten jetzt heim, solange es noch geht. Wir natürlich sofort gegangen, warum auch nicht. Auf dem Heimweg kam dann ein eisiger Regen auf uns zu, der alles eingefroren hat (sah aus wie in einem Austin Powers Film, wenn Dr. Evil wieder mit seiner Eiskanone schießt. Trotzdem war das alles noch lange kein Grund so eine Aufruhr zu veranstalten und Schulen und Firmen zu schließen.

Wir haben uns den freien Mittag damit verbracht in die Mall zu gehen und nach Geschenken zu schauen. Aber dort war die Hälfte der Läden geschlossen, die andere war gerade am zu machen. Die haben also die komplette Mall geschlossen, weil es ein bisse Eis geregnet hat….!
Donnerstag, 5. Dezember:
Radio geht an um 6.45 Uhr. Rauschen. Scheiße. Oldie-Sender mal wieder nicht auf Sendung (das ist der einzige Sender, der morgens Musik spielt statt blöde Moderatoren fürs labern zu bezahlen). Aufgestanden, geduscht, nach unten zum Frühstück gegangen. Markus schon ganz aufgeregt vor dem Fernseher. Da werden doch tatsächlich alle Firmen auf einem Laufband aufgeführt, die heute geschlossen haben – wegen dem Wetter (zur Erinnerung, gestern hat’s ein bissle Eis geregnet, sonst nichts!). Angespanntes Warten als endlich der Buchstabe „P“ erscheint. „Prettl Electric Corporation opens 10.00 AM“  Juhuu (also 2 Stunden später als sonst).
Wir in unserem Übereifer beratschlagt was wir tun sollen. Wir sind letztlich doch gleich um 8.00 Uhr hingefahren, dann konnten wir noch Internet surfen oder sonstiges machen. Wir also raus die in die Kälte, die inzwischen schon wieder am abklingen war. Durch das Neighborhood gefahren und einige gebrochene Bäume gesehen. Das hat einiges umgehauen, obwohl kein Sturm oder so was war. Nur durch das Eis sind die Bäume gebrochen wie Streichhölzer. Wir also weiter zum Prettl. Dort angekommen war kein Auto auf dem Parkplatz (der sonst immer brechend voll ist). Vor der Türe standen 3 Leute die uns gesagt haben, dass 200.000 Häuser in diesem Bereich ohne Strom sind und wir wieder heimgehen können, weil wir ohne Strom eh nichts machen können. Wir sollen mal gegen Mittag anrufen wie es aussieht.
Also sind wir wieder heim. Dort hat sich einer gleich wieder ins Bett gelegt (ich war’s nicht!), 2 andere sind zum Outlet gefahren und ich habe etwas im Internet rumgesurft. Mittags haben wir uns dann Currygeschnetzeltes gemacht.  Immer noch kein Anruf von der Firma, dass wir wieder kommen sollen. Inzwischen ist es nach 14.00 Uhr und es lohnt sich nun eh nicht mehr hinzugehen. War ein netter Tag ohne Arbeit.
Ich wollte dann noch kurz in den Supermarkt. Dort angekommen war alles so dunkel, aber Türen waren offen. Ich also rein und es waren auch einige Leute an den Kassen. Die Lichter waren aber aus und die Notstrombeleuchtung war an. Die Theken waren alle leer, Käse, Wurst, Fleisch, Milch, Eier alles weg. Genau das warum ich hin bin. Habe gedacht, das können doch keine Hamsterkäufe sein, es ist doch nichts los draußen. Habe dann einen Mitarbeiter gefragt, ob es noch irgendwo Milch gibt. Er hat dann gesagt, dass es nichts mehr gibt was frisch gehalten werden muss, da der Strom ausgefallen ist und alle Frischwaren weggeworfen werden müssen. Und tatsächlich habe die an der Kasse einen großen Container gehabt, wo alle Kühlprodukte drin gelandet sind, nachdem sie an der Kasse ausgebucht worden sind. Wer schon mal in einem dieser Supermärkte war, weiß wie groß diverse Fleisch- und Wurstabteilungen sind. Alles weggeworfen. Das kostet einiges. Alles nur wegen dem Strom.
Aber wen wundert’s, die Stromleitungen hängen hier einfach in der Luft auf Holzmasten, wie man das aus Wild-West-Filmen kennt. Unglaublich. Die brechen wegen so ein bissle Eis zusammen und legen eine ganze Stadt lahm. Egal, wir haben den Tag genossen und uns über die Amerikaner gewundert, die wegen kaltem Regen Schulen, Firmen und Geschäfte schließen.
Abends sind wir dann in eine Disco-Bar in Downtown gegangen und haben dort Armin getroffen. Er hat erzählt das das morgen immer noch nicht in Ordnung ist und wir sollen einfach Channel 4 schauen, da wird das dann durchgegeben, ab wann wieder gearbeitet wird.
Freitag, 6. Dezember (Nikolaustag):
Wecker aus. Ausschlafen. Eh kein Strom da. Um 9.00 Uhr klingelt Telefon. 5 mal! Habe dann irgendwann abgenommen, dachte wir kommen nicht drum herum dass wir wieder arbeiten müssen. War nur Marc. Wollte mir nur sagen, dass im Fernsehen kam dass Prettl erst um 12.00 Uhr aufmacht. Und da ruft der um 9.00 Uhr an…

Also wieder ins Bett. Um 12.00 Uhr dann bei Prettl angerufen ob wieder Strom da ist. Leitung war immer noch tot – gutes Zeichen (für uns). Armin auf Handy angerufen – immer noch kein Strom da, nicht vor 15.00 Uhr, eher noch später. Also ein weiterer Tag frei für uns! Freitag Nachmittag gehen wir dann auch nicht mehr arbeiten und Mails checken ist auch nicht nötig, da der Mailserver eh keinen Strom hatte und somit keine Mails in unserer Abwesenheit empfangen konnte.
Habe gerade bei BMW angerufen und Plätze für die Werksführung reserviert. Klappt also doch noch (da die Führungen nur Werktags sind können wir sonst nicht hingehen).
Und dann:  W O C H E N E N D E  ! !