2. Woche

Die zweite Woche kam also. Nun war ich alleine auf mich gestellt, da mein Kollege nun zurück nach Deutschland durfte. Eigentlich blieb er noch ne Woche in Greenville, nutze aber die Zeit um nochmals jeden Outlet in der Gegend zu besuchen und ordentlich Geld liegen zu lassen.
Das sollte mein Problem nicht sein, denn ich hatte ganz andere. Letzten Freitag haben wir einen alten Chevy Suburban Baujahr 1989 abschleppen lassen, weil er nicht mehr anging. Er bekam eine neue Lichtmaschine eingebaut (wobei es wahrscheinlich auch ne neue Batterie getan hätte) und musste am Montag wieder abgeholt werden. Nachdem ich endlich einen Studenten finden konnte, der auch mit mir gehen durfte sind wir also dorthin gefahren. Dort angekommen fiel mir wieder ein, dass der alte Karren ja gar kein Nummernschild hatte, da zum einen die Zulassung, zum anderen auch die Versicherung schon lange abgelaufen waren. Trotzdem mussten wir ihn zurück zur Firma bringen. Also hieß es ganz dicht aufeinander zu fahren, damit man von hinten nicht erkennen konnte, dass das Nummerschild fehlt (in USA muss man nur hinten ein Nummernschild montieren).
Natürlich sind dann auf der kurzen Strecke von ca. 5 Minuten gleich zwei Sheriffs an uns vorbeigefahren. Aber keiner wollte was von uns, nicht mal wegen der schwarzen Rauchwolken, die aus den beiden Auspuffen herausqualmten. Jetzt kann also die Käufersuche weitergehen. Darum habe ich auch neue Schilder ausgedruckt die die wichtigsten Daten zeigten. Der Preis für das Ding beträgt übrigens 1.900 US-$.
Abends gingen wir dann wieder zum Bowling. Ich denke das bleibt der ständige Montag-Termin, weil da die Spiele günstiger sind als sonst. Ich habe mit über 160 Punkten meinen persönlichen Rekord eingestellt, was nur noch vom Fischkopf Marc überboten wurde, der durch sehr viel Dusel knappe 180 Punkte schaffte. Dafür ist mir (ausversehen) die Kugel aus der Hand gefallen und auf seinem Fuß gelandet.
Die restliche Arbeitswoche ging dann eher gemütlich vorüber. Ich habe einige Bewerbungen bearbeitet, die so nach und nach rein gekommen sind. Als ich dann auf die glorreiche Idee kam die Stellen im Internet auszuschreiben, habe ich damit das Ende der Gemütlichkeit selber veranlasst. Gleich am ersten Tag kam eine Flut von Bewerbungen, dass ich bis Donnerstag damit zu tun hatte, diese aufzubereiten. Danach habe ich die Einträge im Internet wieder gelöscht. Als Praktikant muss man sich ja auch nicht verausgaben…
Wenigstens habe ich nun einen Chef bekommen. Die Frage, zum wem ich nun gehöre, Einkauf oder Werkleiter hat sich zu Gunsten des Werkleiters geklärt (und damit auch zu meinen). Ich werde nun also in Zukunft am KanBan-Projekt mitarbeiten, dass sicherlich interessant wird. Mal sehen was da auf mich zukommt. Auf jeden Fall ist Sam, der Werkleiter, ein total netter und unkomplizierter Typ, der selber aus kleinen Verhältnissen kommt und das auch immer wieder zu verstehen gibt. Er hält sich nicht für was besonderes, ganz im Gegensatz zum Mr. President, der ganz deutlich zeigt wer der eigentliche Chef im Haus ist.
Wenn man hier morgens etwas Musik zum Aufwachen will bleibt einem eigentlich nur eines übrig – selber singen. Die Radios hier haben wohl ein Abkommen mit der Gesellschaft zur Rettung der amerikanischen Sprache, denn die reden und reden und reden und reden und……
Man denkt echt, das nimmt kein Ende und wenn man dann kurz vor dem Aufgeben ist und denkt ‚was solls‘, dann kommt’s noch schlimmer und die spielen dann noch ein Interview ein. Man kommt sich vor wie in „Täglich grüßt das Murmeltier“ denn jeden Tag kommen die selben dämlichen Sprüche und total unwitzigen Witze. Jetzt weiß ich endlich, wie Antenne 1 auf das total bescheuerte Prinzip der Morgenshow mit Lennert und Heine gekommen ist. Die könnten hier glatt mitmachen.
Aber nach langem Suchen und vielen morgendlichen Schocks durch den Radiowecker habe ich endlichen einen Sender gefunden, der nur Musik und Werbung bringt, ersteres zum Glück mehr. Allerdings sind das alles nur Oldies, aber immer noch besser als der Wetterbericht von vergangener Woche.
A propos Wetter. Die ganze Woche hat’s geschüttet wie blöde. Ich denke das gibt’s doch gar nicht, da ist man auf dem Breitengrad von den Kanaren und Afrika und was tut es hier….REGNEN! Wenigstens ist der Regen warm, auch wenn es ab und zu Nachts ziemlich auffrischt, dass man sogar ne Decke im Bett braucht. Neulich bin ich sogar mit einem Pulli aus dem Haus gegangen. Im Auto und auf dem Weg zum Büro war es mir dann zwar ziemlich warm, aber sobald ich das Büro betreten hatte, war ich genau richtig angezogen, da an meinem Arbeitsplatz mal wieder Subarktische Klimabedingungen herrschten. So wie ich die Amis einschätze, wird das Gebäude nachts über geheizt, dass man morgens die Klimaanlage einschalten kann. Aber nach 3-4 Stunden hat sich dann die Nase daran gewöhnt und hört auch wieder auf zu laufen. Nach dem Lunch geht das dann aber wieder los.
Auf Lunch habe ich auch keine Lust mehr. Jeden Tag nur BigMac, Jumbo Jack oder Whopper…Ich kann meinem Bauch beim wachsen zusehen. Im Outlet habe ich schon eine Hose Größe 38 probiert und musste feststellen, dass da nicht mehr viel fehlt. Und daheim habe ich noch Hosen in 34 gekauft.
Aber seit heute habe ich wieder einen Glauben an die Zukunft, da mich meine Experimentierfreudigkeit in einen Laden namens „SubWay“ verschlagen hat. Sieht auf den ersten Blick etwas eigenwillig aus. Dort gibt’s aber endlich den Salat, nach dem ich seit 2 Wochen suche. Natürlich habe ich auch gleich einen bestellt. Gemischter Salat mit Hühnchenbrustfilet. Abgesehen davon, dass die Peperoni einem das Blut ganz ordentlich in den Kopf getrieben und das Dressing jeden gesunden Aspekts dieses Lunchs vernichtet hat war’s echt super und bestimmt nicht das letzte Mal, dass ich dort war. Aber ich habe ja auch noch meinen All-You-Can-Eat Chinesen für 5 $, der zwar nicht gut oder sauber ist, man dafür aber satt wird ohne mit den Finger essen zu müssen 🙂
Heute Nachmittag bin ich dann auch wie immer zur Post gefahren und habe unseren HR Manager Bob mitgenommen, der seinen Toyota aus der Werkstatt holen wollte. Er erzählte mir, dass die Reparatur über 900$ kostet und er gar nicht weiß, was die alles für 900$ daran machen können. Als ich ihm dann noch gesagt habe, dass er für 900$ auch einen neuen Toyota bekommen kann, da die eh nicht mehr Wert sind, kam er wohl ins Grübeln. Jedenfalls fährt er kein amerikanisches Auto. Wahrscheinlich weiß er, wie beschissen die konstruiert und gebaut sind. Die sehen zwar echt super geil aus, sind aber gebaut wie Trabbis. Aber woher soll’s auch kommen, wenn die schon zum Wechseln der Batterie eine Anleitung brauchen…
Aber was ich eigentlich erzählen wollte ist, dass die Sekretärin immer die Post fertig macht und ich diese nur mitnehmen muss, genau wie heute eben. Unterwegs habe ich noch gedacht, ob die wohl den Schlüssel fürs Postfach aus der anderen Kiste raus genommen und hier reingelegt hat. Bei der Post angekommen stellte ich dann fest, das mein Sinn zur Erfassung hochkomplexer und diffiziler Zusammenhänge immer noch funktioniert, denn auch nach komplettem Ausleeren der Postbox konnte ich keinen Schlüssel für das Postfach finden. Toll. Also den ganzen Weg wieder zurück und wieder sind 10 Minuten meines so kostbaren Praktikums verschwendet. Als ich dann zum zweiten Mal bei der Post angekommen war stellte ich fest, dass das erste Postfach leer war…Noch toller. Wenigstens im zweiten Fach lagen dann einige Briefe und Zeitschriften. Das meiste sah wie Werbung aus. Was dann aber letztlich die Wichtigkeit der doppelten Postfahrt unterstrich war die Tatsache, dass beim Feierabend der Poststapel noch genau so da lag, wie ich ihn hingelegt habe. Kein Mensch hat das interessiert, dass die Post da ist, alle haben sie nur an das Wochenende gedacht…Und dafür fahr ich zweimal durch den Freitagnachmittag Verkehr einer Industriestadt.
Die Telefongesellschaft hat sich auch nicht wie versprochen bis Donnerstag gemeldet um unsere Leitung zu checken. Vermutlich haben die angerufen und aufgrund der miserablen Qualität der Leitung nicht verstanden wo wir wohnen oder so. Ich werde da nächste Woche mal nachfragen, was denn aus den ehrgeizigen Plänen uns zufrieden zu stellen geworden ist.
Das Wochenende kam dann aber auch schneller als erwartet. Wenn man genug Seiten hat, die man im Internet anschauen kann geht die Zeit eben auch rum. Am Wochenende fahren wir alle zusammen nach Atlanta. Die Angaben wie weit das weg ist variieren zwischen 2,5 bis 4 Stunden. Wir werden sehen. Ein Hotel haben wir schon gebucht, 2 Zimmer für 8 Leute… Hoffentlich gibt’s da keine Frühstückskarten, sonst gehen wohl 4 ohne Frühstück in den zweiten Tag 🙂
Aber was dort so alles passiert, wird sicher ein eigener Bericht. Wenn nicht, war’s auch nicht aufregend.