1. Arbeitswoche

Der Arbeitsalltag begann am Montag dem 16. September. Mehr oder weniger gut erholt und voller Vorfreude ging’s dann Richtung Prettl USA in der White Horse Road. Der Weg dorthin führt über eine 6-spurige Autobahn mit Tempolimit 60 Mph.
Nach ca. 20 Minuten hatten wir unser Ziel erreicht. Allerdings sah das doch etwas anders aus, als auf dem Bild im Internet (www.Prettl.com). Dennoch waren Ähnlichkeiten zu entdecken. Nach einer kurzen Raucherpause gingen wir dann wie in der Schule gesittet in Richtung Meeting-Room wo wir dann auch herzlich begrüßt wurden („Ihr habt eine Stunde Zeit euch zurecht zu finden, dann kommt ihr wieder…“). Nach etwas Smalltalk und einigen interessanten Tips von unserem Betreuer wurden wir dem USA Chef kurz vorgestellt der seine Runde bei uns durchmachte. Zum Schluss bekamen wir dann noch das wichtigste Arbeitsutensil des Amerikaners zur Verfügung gestellt: Eine eigene Kaffeetasse mit Firmenaufdruck.
Nach einer Werksführung wurden wir dann so langsam in Richtung Arbeitsplatz gebracht. Mein Vorgänger war zu dem Zeitpunkt noch eine Woche da, was mir die Sache etwas leichter machte als den anderen. Ich hatte also eine Woche Zeit alles zu lernen und damit zurecht zu kommen. So lief diese Woche dann auch ab. Erst teilten wir uns einen PC, aber nachdem ich merkte dass auf dem PC gegenüber auch Internet frei geschaltet ist, habe ich mich natürlich dort hin gesetzt.
Am Anfang dachte ich, dass ich den besch. Job von allen habe, da ich Rechnungen ablegen und Telefonanrufe beantworten sollte. Das hat sich aber bald gelegt. Immerhin hatte ich Freiheiten, die die anderen nicht hatten. Ich bin verantwortlich für den Fuhrpark, d.h. dass ich regelmäßige Testfahrten machen „muss“. Auch werde ich gerne zur Post geschickt oder soll etwas irgendwo abholen. Klingt nicht sehr aufregend, dennoch hat’s auch seine guten Seiten.
Ich sitze in einem Großraumbüro, in dem eigentlich nur 3 Leute sitzen (mit mir). Direkt im Anschluss sitzt der Chef des Hauses, für den ich den Assistenten spielen darf. Er will mich angeblich in ein Projekt mitnehmen, dass dazu dient das KanBan System in Greenville einzuführen. Scheinbar war er so von meinen Ausführung bzgl. des Studiums begeistert, dass er denkt dass ich der absolute Profi in Logistik und Fabrikplanung bin. Der wird sich noch wundern, hoffentlich sieht er nicht auf meinen Schreibtisch, der sieht nach ner Woche schon nicht mehr „logistisch“ aus.
Leicht überschätzen tut mich wohl auch ein anderer Kollege, der mir gleich mal Aufgabe gegeben hat, die ich als nicht lösbar (zumindest für mich) zu den Akten gelegt habe. Sollte ich doch tatsächlich ein Visual Basic Script schreiben, dass den Quellcode einer Access Datenbank so verändert, dass die Ausdruck nicht mehr im Hoch-, sondern im Querformat erscheinen. Wenn ihr nun wisst, dass ich einen halben Tag dafür gebraucht habe um herauszufinden, dass „Landscape“ = Querformat ist, könnt ihr euch denken wie schnell ich bei der Programmierung vorwärts komme.
Wenigstens habe ich einen eigenen PC mit Internet und eMail.
In der ersten Woche bin ich ziemlich viel mit meinem Vorgänger in Greenville herumgefahren um habe mir einige Plätze angesehen, zu denen ich später öfters mal fahren muss. Am Montag haben wir auch eine Social Security Card beantragt. Dort zieht man ne Nummer und wartet ca. 3 Stunden, dann kommt man auch schon dran. Zum Glück wissen die, was zu tun ist, denn die Fragen die die einem stellen kann man eh nicht beantworten (nichts mangels wissen sondern mangels Verständnis).
In den ersten 4 Tagen haben wir gleich 2 Autos repariert, was mir doch das Gefühl gab umsonst zu studieren. Immerhin wollte ich ja einen technischen Einschlag im Studium – den habe ich nun hier. Nachdem alle Versuche unserer Reparatur vergeblich waren, musste dann doch einer von beiden abgeschleppt werden. War eine interessante Erfahrung, wie kompetent amerikanische Monteure arbeiten. Nicht nur, dass man denen sagen musste dass sie doch besser von hinten an das Auto fahren und von dort aufladen. In der Werkstatt musste dann erstmal eine Anleitung zum Batteriewechsel besorgt werden.
Mittags gehen wir dann immer zum Essen, gleich um die Ecke sind alle FastFood Restaurants des Kontinents vertreten. Das beste daran ist, dass man soviel Getränke  bekommt, wie man nur will. Da gibt es doch echt die dummen Amis, die einen großen Becher kaufen, wo die doch einen kleinen genauso nachfüllen können und der mal eben nur die Hälfte kostet. Aber das bringe ich denen noch bei, genauso dass man nicht den Becher 2/3 mit Eis auffüllt, weil dann viel mehr Getränke reingeht.
Abends waren wir immer unterwegs. Montag beim Bowling, Dienstag GoKart fahren, Mittwoch bei Hooters, Donnerstag in einer Disco nur Freitag bin ich dann daheim geblieben, weil ich mich für das Party-Wochenende ausruhen wollte. Dann geht hier immer die Post ab, denn das Prettl House ist ein beliebter Treffpunkt für Deutsche und amerikanische Mädels, die gerne Deutsche kennen lernen möchten. Alleine bleibt man hier nicht lange, das hat mir auch schon mein Chef gesagt und wollte mir ne Liste mit Mädels geben, mit denen ich ausgehen kann. Natürlich habe ich dankend abgelehnt und werde mich am Wochenende auf mein Zimmer verziehen um nichts von diesen Umtrieben mitzubekommen (Das hier ist die offizielle Version, diejenigen, die an den Tatsachenbeschreibungen interessiert sind mögen sich bei mir melden).
Soviel gibt es zur ersten Woche einmal zu berichten. Es folgen ja noch weiter 24 Wochen, mal sehen was mich hier noch alles so erwartet.